Geschichte - St. Valentin-Landschach

Ortsgeschichte (Auszug aus der Chronik)

Wenn wir nach dem Alter einer Ortschaft fragen und Ermittlungen anstellen, so kann man aus Orts- und Flurnamen oder der Siedlungsform manche Schlüsse ziehen. Betrachten wir die Siedlungsform von Landschach, so sehen wir, dass es sich um ein "Gassengruppendorf" handelt und somit nicht zu den ältesten Siedlungsformen gehört. Es gibt über die Entstehung des Ortsnamens zwei Varianten:

Nach Prof. Fritz Bode bedeutet "Schachen" kleiner Wald, Land, im Sinne von Gegend, eventuell auch freier Platz oder freie Fläche. Der Ortsname Landschach würde demnach bedeuten: kleine Waldfläche oder kleine Waldgegend. Variante zwei: Dir. Gustav Ehrenböck leitet den Namen von Leischen = Ache ab (Leintschach = Landschach). Wir wissen, dass Landschach in einer Reihe mit anderen Ortschaften steht, die bereits um das Jahr 1100 erwähnt werden und können die Entstehung des Ortes in etwa diese Zeit einordnen. Eine exakte erstmalige urkundliche Erwähnung gibt es aber nicht.

Für den Ort St. Valentin haben wir genaue Angaben aus der Kirchengeschichte (Kapellenbau um 1200). Die Namen beider Ortschaften machten verschiedene Veränderungen durch: aus Luntschach wird Laindtschach und später Landschach. St. Valentin wieder wird Sanndt Valtein und Sannt Vallten geschrieben. Später wird St. Valentin auch als "St. Valentin am Forst" bezeichnet.

Ursprünglich dürfte Landschach größer als St. Valentin gewesen sein. Später gewinnt St. Valentin immer mehr an Bedeutung, wohl deshalb, weil die Kirche hier erbaut wird, und weil der Klerus im öffentlichen Leben eine herausragende Rolle gespielt hat. Obwohl es sich um zwei getrennte Ortschaften handelt, die auch heute noch nicht ganz zusammengewachsen sind, findet man gegen Ende des 18. Jhdt. gelegentlich schon den Ortsnamen St.Valentin-Landschach.

Über die Jahrhunderte hinweg hält sich auch der Name "St. Valentin Zerstreut". Das ist das Gebiet am Kienberg, wo verschiedene Rotten und Häuser diese Sammelbezeichnung tragen. Sie gehören zum Sprengel der Kirche St. Valentin und mit dieser zur Pfarre St. Laurenzen. Als im Jahre 1784 St. Valentin eine eigene Pfarre wird, kommt St. Valentin zerstreut zur neu errichteten Pfarre Haßbach.

Im Jahre 1420 werden die ersten Bauern aus Luntschach (Landschach) namentlich genannt. Aus dem Heft für Landeskunde, Jg. 1885, entnehmen wir Namen wie Nicla Leamin, Lacoben Reisner, Jekel Reysner, Nicolas der Schaffer, Hainrich der Chrug, Hainczel der Weizz, Niclas Pidermann, Hansen des Graffen, Hans Taller, allesamt Landwirte, die zueinander Anrainer gewesen sind. Die Bauern sind zu dieser Zeit Lehener gewesen, d.h. Zinsbauern. Die Errechnung des Zinses erfolgt durch eine Aufstellung des Schätzwertes der bäuerlichen Besitzungen (Lehen) .

Die Orte St. Valentin, Landschach und Penk schließen sich zu einer Ortsgemeinde zusammen und am 8. August 1850 wird Peter Johann, ehemaliger Ortsrichter zum ersten Bürgermeister in der neuen Gemeinde gewählt. Zur Person des Ortsrichters geben uns Aufzeichnungen Auskunft, dass im Jahre 1831 der Gastwirt und Fuhrwerksbesitzer Peter Johann (Hanslwirt) zum Ortsrichter gewählt wurde. Er selbst schreibt damals: "1831 bin ich von der ganzen Gemeinde als Richter und Ausgezeichneter gewählt worden und bin 15 Jahre Richter gewesen, habe der Gemeinde keinen Kreuzer angerechnet, sondern alle Gänge unentgeltlich verrichtet".

Die Wasserversorgung der Bevölkerung scheint nach dem heutigen Stand der Entwicklung zwar nicht hygienisch, dafür aber einfacher gelöst: "Das Wasser aus dem Fuxgraben läuft durch den Ort St.Valentin-Landschach, das Wasser muss ungehindert bleiben und keins darf weggeleitet werden. In das Wasser soll kein Geflügel, Gänse oder Enten hineingelassen werden, das ist streng verboten, weil es die Leut zum Trinken und Kochen brauchen, und das Vieh muss auch davon trinken. Wenn das nicht eingehalten wird, so ist darauf eine 30 Kreuzer-Straf' zu entrichten."

Die Bevölkerung besteht, wie erwähnt, durchwegs aus Bauern, die ein karges Leben führen. Sie betreiben Viehzucht, Körnerbau und auch Weinbau. Die Häuser sind Dreiseithöfe oder Hackenhöfe mit fränkischem Einschlag. Die Dächer sind mit Schindeln oder Stroh gedeckt. Aus dieser Zeit ist bekannt, dass der Ort aus 32 Häusern besteht, welche 74 Familien beherbergen, davon 100 männliche und 95 weibliche Bewohner. 48 Kinder gehen in die alte Schule. Der Viehbestand beträgt 6 Pferde, 60 Zugochsen, 40 Kühe, 50 Schafe, 20 Ziegen und 70 Schweine. Der Wein weist keine besondere Güte auf, er schmeckt sehr sauer.

Durch die Errichtung von Großbetrieben (Ternitz und Wimpassing) noch im vorigen Jahrhundert, nimmt die Industrialisierung ihren Lauf, und immer neue Arbeitskräfte, die nach Möglichkeit in der Nähe ihrer Arbeitsstätte wohnen wollen, kommen in unser Gebiet. Die Bevölkerung nimmt zu, und die Strukturen werden allmählich grundlegend verändert.

Von 1870 bis ungefähr um das Jahr 1900 sind in Landschach zumindest teilweise drei Ziegelöfen in Betrieb. Der Lehm wird mit Wasser geknetet, die Masse in Formen gefüllt und im Freien luftgetrocknet. Sind genug Ziegel gemacht, man sprach von "geschlagen", und haben sie genug Festigkeit, so werden sie durch drei Heizöffnungen, welche sich in Bodenhöhe befinden, in den Ofen eingeführt (einschieben). Das Brennen erfolgt mit Holz. Als um die Jahrhundertwende die Wienerberger die Erzeugung zu wesentlich niedrigeren Preisen aufnahmen, muss man den Betrieb stilllegen.

Am 26. September 1920 tritt die schon lang gewünschte Lostrennung der Katastralgemeinde Penk von der Ortsgemeinde St.Valentin-Landschach in Kraft. Von diesem Tage an ist Penk eine eigene Gemeinde. 1920 wird der elektrische Strom in unserem Ort eingeleitet.



zurück


copyright 2010 Marktgemeinde Grafenbach-St. Valentin by CP11 - design your business
Sitemap | Impressum | Datenschutz
-->

Kinderschikurs 2017 - Fotos

Ferienspiel 2016 - Fotos

Umbau-Turnhalle/Volksschule - Foto

Magie & Dinner - Fotos




 

Marktgemeinde
Grafenbach-St. Valentin
Ernst Gruber-Straße 1
263